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Urtext = Plain Text ? – An Analysis of the Sarabande in D Major, Part 1 (Bar 1-8)

Britain

 

This is a translation of the post

Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 1 (Takt 1-10)

by Dr. Marshall Tuttle


Michael Bach

 

This is the first part of the analysis of the

“Sarabande” in D Major

 

Guest:
Burkard Weber

Video:
Interpretation of “Sarabande in D Major”

Michael Bach, Violoncello with BACH.Bogen:
https://youtu.be/YuqXQgfPKkg

Analysis:

 

Bach Digital

Copy of Anna Magdalena Bach, digital copy from the Staatsbibliothek in Berlin – PK

 

MB (Michael Bach): Here, in this piece, it there is a harmonic meaning, which is why we have monophony and two-, three-, and four-part passages.

There are many musicians, or almost all, who claim that the note values are not to be taken precisely. In my opinion, it is quite clear that they must be rendered exactly.

Because, in this movement, for example, the bass is usually not resolved. This can only be heard when the bass is held to the end.

 

Sarab D-Dur Bindebögen- 001

 

Measure 1

Let us take the first measure. We have D major. [plays bar 1]

What is the second sound? We have a reduced D major sound.

If this were focused on this second sound, Bach would have composed like this: [plays first the two-part and then the three-part harmony]

One would think (more…)

Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 4 (Takt 25-32)

Germany

Michael Bach

Dies ist der vierte Teil der Analyse der

Sarabande in D-Dur

 

 

Gast:
Burkard Weber

Video:
Interpretation der “Sarabande in D-Dur”
Michael Bach, Violoncello mit BACH.Bogen:
https://youtu.be/YuqXQgfPKkg

Analyse:
https://youtu.be/3vUgrV05eZg

Bach Digital
Abschrift von Anna Magdalena Bach, Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – PK

 

Teil 4

 

Sarab D-Dur Bindebögen- 006

Takt 25

In den folgenden 3 Takten stehen vierstimmige Akkorde auf der 1. Zählzeit. Der erste ist auch betont, der zweite auch … allein schon dadurch, daß sie vierstimmig sind. Das muß man auch beachten, wie soll ich sagen, dadurch daß sich die Regeln des Bindbogen-Kodex durchkreuzen …

Es gibt manchmal den Fall, daß die Bindebögen zwar suggerieren, daß eine Zählzeit unbetont ist, aber da steht auf einmal ein vierstimmiger Akkord. Der ist natürlich akzentuiert.

In Takt 25 hat Bach einen Haltebogen im Anschluß an den Bindebogen geschrieben. D. h. daß die Zwischenzählzeit, zwischen der 2. und 3. Zählzeit, betont wird. Das ist die Tonika.

Also, wir kommen hier sozusagen “aus dem Takt”.

Takt 26

In der 1. Zählzeit schreibt Bach einen Bindebogen. Der Tritonus der 2. Zählzeit ist betont, das e ist angebunden, die Repetition des e kann nicht angebunden werden, trotzdem, infolge der punktierten Halben Note in der Oberstimme, entsteht ein decrescendo:

Takt 27

Zu d-moll, was eine Überraschung ist. Man erwartet ja eigentlich D-Dur, aber es erscheint d-moll.

 

Takt 28

Die Dominante erklingt. Die Note ais im Baß bedeutet eine Zwischendominante, diejenige von h-moll.

Die Harmonie h-moll, die bislang nicht vorbereitet worden war, wird jetzt durch einen vierstimmigen Akkord mit dem einprägsamen ais im Baß, also mit ihrer eigenen Zwischendominante, tatsächlich etabliert.

Sarab D-Dur Bindebögen- 007

Takt 29

Das ist die Tonikaparallele h-moll (1. Zählzeit).

Übrigens, ungewöhnlich ist im Vortakt der Bindebogen zur (more…)

Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 3 (Takt 17-24)

Germany

Michael Bach

Dies ist der dritte Teil der Analyse der

Sarabande in D-Dur

 

Gast:
Burkard Weber

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Interpretation der “Sarabande in D-Dur”
Michael Bach, Violoncello mit BACH.Bogen:
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Abschrift von Anna Magdalena Bach, Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – PK

 

Teil 3

 

Sarab D-Dur Bindebögen- 004

 

Takt 17

Hier haben wir nun eine einstimmige Passage. Jetzt sind wir bei der Subdominante angelangt, gehen mal kurz zur Tonika und zur Dominante und alles hat sich beruhigt.

Es ist auch ganz typisch, wie Bach das macht: [fängt in Takt 17 an zu spielen] also Subdominante, über die Sext e entsteht die Dominante.

Takt 18

Das cis der 1. Zählzeit des Takt 18 ist betont. Und dann ist die 3. Zählzeit betont, das g, das zur Septim der Dominante wird. Der Auftakt a ist unbetont angebunden.

Takt 19

Die Tonika in der 3. Zählzeit (d) ist betont [spielt weiter], das erkläre ich gleich.

Takt 20

Das g der 2. Zählzeit ist betont.

Sarab D-Dur Bindebögen- 005

Takt 21

Jetzt erklingt die Dominante.

Takt 22

In der 1. Zählzeit erklingt die Subdominante, aber wir haben immer noch die Tonhöhen der Dominante und der Tonika mit dabei. Wenn Skalen da sind, oder Zweistimmigkeit in dieser Weise, dann ist die Harmonie oft nicht eindeutig.

Man kann insofern mehrere Harmonien mithören, es bleibt offen, wohin das führen wird. Aber hier [spielt weiter] haben wir am Taktende einen vollständigen Dominant-Akkord, …

Takt 23

… gefolgt von der Septim g. Nun die Tonika mit Quartvorhalt g, dann die Auflösung zu fis. Im Gegensatz zu Takt 4, wo die Auflösung angebunden ist, ist sie hier deutlich zu spielen. Warum?

Weil Bach sofort zur Tonikaparallele geht (3. Zählzeit). Das ist nämlich der (more…)

Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 2 (Takt 9-16)

Germany

Michael Bach

Dies ist der zweite Teil der Analyse der

Sarabande in D-Dur

 

Gast:
Burkard Weber

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Michael Bach, Violoncello mit BACH.Bogen:
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Abschrift von Anna Magdalena Bach, Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – PK

 

 

Teil 2

Sarab D-Dur Bindebögen- 002

Takt 9

Wir haben 2 vierstimmige Akkorde. Ich lasse beim 2. Akkord einen Ton (e) weg, damit ich die G-Saite nehmen kann. Die 2. Zählzeit ist ausnahmsweise auch betont.

 

Takt 10

Jetzt kommt: [spielt die 1. Zählzeit von Takt10] Das könnte die Auflösung sein, man könnte sich auch die Tonikaparallele vorstellen, man könnte sich den Tonikagegenklang vorstellen, je nachdem, wie es jetzt weitergeht.

In der 2. Zählzeit erwartet man ein d [spielt bis zur 2. Zählzeit von Takt 10], weil wir wieder dieses Umspielungsmotiv haben Aber Bach schreibt stattdessen ein dis. Wenn so etwas erklingt, dann wissen wir eigentlich, aufgrund von Hörgewohnheiten, daß das eine Zwischendominante ist, die sich wahrscheinlich nach e auflöst.

Stellt sich eigentlich nur noch die Frage: nach e-moll oder nach E-Dur? [spielt E-Dur und dann e-moll] Zu diesem Zeitpunkt wäre beides noch möglich.

 

Wir kennen das ja z. B. von der G-Dur Suite: da kommt in Takt 5 schon gleich die Tonikaparallele e-moll, und dann nach der Dominante D-Dur kommt nochmals e-moll als Trugschluß (Takt 8), und in Takt 13 erscheint auf einmal auch ein dis, das sich wieder in Takt 14 nach e-moll auflösen müßte. Die Tonikaparallele wird hier sogar eingeführt mit ihrer eigenen Zwischendominante.

Nun macht Bach im Prélude etwas ganz anderes, nämlich das Gegenteil, was er hier in der Sarabande macht, er verdeckt die Auflösung: [spielt die 1. Takthälfte von Takt 14 des Prélude in G-Dur]

Das ist keine deutliche Auflösung, (more…)

Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 1 (Takt 1-8)

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Michael Bach

Dies ist der erste Teil der Analyse der

Sarabande in D-Dur

 

Gast:
Burkard Weber

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Interpretation der “Sarabande in D-Dur”
Michael Bach, Violoncello mit BACH.Bogen:
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https://youtu.be/3vUgrV05eZg

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Abschrift von Anna Magdalena Bach, Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – PK

 

Teil 1

MB (Michael Bach): Hier, in diesem Stück, hat es einen harmonischen Sinn, warum wir einstimmige Passagen haben, warum wir zwei-, drei- und vierstimmige Passagen haben.

Es gibt viele Musiker, oder fast alle, die behaupten, die notierten Notenwerte seien nicht so genau zu nehmen. Meiner Ansicht nach ist es ganz eindeutig so, daß sie genau zu nehmen sind.

Weil, auffällig in diesem Satz ist z. B., daß der Baß meist nicht aufgelöst wird. Das hört man nur dann erst, wenn der Baß auch bis zu Ende gehalten wird.

Sarab D-Dur Bindebögen- 001

Takt 1

Nehmen wir den ersten Takt, wir haben also D-Dur. [spielt Takt 1]

Was ist der 2. Klang? Wir haben einen reduzierten D-Dur-Klang.

Wenn darauf ein Schwerpunkt wäre, hätte Bach derart komponiert: [spielt zuerst den zweistimmigen und dann den dreistimmigen Zusammenklang]

Man würde denken, das ist fast das Gleiche.

Wenn man sich aber die ersten 8 Takte anschaut, dann ist die 2. Zählzeit immer reduziert in der Stimmenanzahl. Oft ist ein vierstimmiger Akkord in der 1. Zählzeit und dann ein zweistimmiger, manchmal auch ein dreistimmiger und manchmal sogar ein einstimmiger Klang auf der 2. Zählzeit.

Also, ich kann mir nicht vorstellen, daß das so gespielt wird: [betont den Doppelklang der 2. Zählzeit anstatt den Akkord der 1. Zählzeit]

Es ist eher umgekehrt, daß die 2. Zählzeit eben “unvollkommen” ist und ich spiele sie dynamisch etwas zurückgenommen, weil wir nicht wissen, …

Bei Bach ist das immer so, wenn er von (more…)