Urtext = Klartext? – eine Analyse der Sarabande in D-Dur, Teil 3 (Takt 17-24)

Germany

Michael Bach

Dies ist der dritte Teil der Analyse der

Sarabande in D-Dur

 

Gast:
Burkard Weber

Video:
Interpretation der “Sarabande in D-Dur”
Michael Bach, Violoncello mit BACH.Bogen:
https://youtu.be/YuqXQgfPKkg

Analyse:
https://youtu.be/3vUgrV05eZg

Bach Digital
Abschrift von Anna Magdalena Bach, Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin – PK

 

Teil 3

 

Sarab D-Dur Bindebögen- 004

 

Takt 17

Hier haben wir nun eine einstimmige Passage. Jetzt sind wir bei der Subdominante angelangt, gehen mal kurz zur Tonika und zur Dominante und alles hat sich beruhigt.

Es ist auch ganz typisch, wie Bach das macht: [fängt in Takt 17 an zu spielen] also Subdominante, über die Sext e entsteht die Dominante.

Takt 18

Das cis der 1. Zählzeit des Takt 18 ist betont. Und dann ist die 3. Zählzeit betont, das g, das zur Septim der Dominante wird. Der Auftakt a ist unbetont angebunden.

Takt 19

Die Tonika in der 3. Zählzeit (d) ist betont [spielt weiter], das erkläre ich gleich.

Takt 20

Das g der 2. Zählzeit ist betont.

Sarab D-Dur Bindebögen- 005

Takt 21

Jetzt erklingt die Dominante.

Takt 22

In der 1. Zählzeit erklingt die Subdominante, aber wir haben immer noch die Tonhöhen der Dominante und der Tonika mit dabei. Wenn Skalen da sind, oder Zweistimmigkeit in dieser Weise, dann ist die Harmonie oft nicht eindeutig.

Man kann insofern mehrere Harmonien mithören, es bleibt offen, wohin das führen wird. Aber hier [spielt weiter] haben wir am Taktende einen vollständigen Dominant-Akkord, …

Takt 23

… gefolgt von der Septim g. Nun die Tonika mit Quartvorhalt g, dann die Auflösung zu fis. Im Gegensatz zu Takt 4, wo die Auflösung angebunden ist, ist sie hier deutlich zu spielen. Warum?

Weil Bach sofort zur Tonikaparallele geht (3. Zählzeit). Das ist nämlich der gleiche Akkord, der in Takt 5 steht. Nur ist dort das “Umspielungsmotiv” zwischen der Tonika und der Tonikaparallele angesiedelt. Hier ist keine Zeit dazwischen.

Und dann die Dominante im nächsten Takt.

Was hier noch interessant ist, daß Bach im Baß keine Halben Notenwerte schreibt. Das lenkt natürlich die Aufmerksamkeit auf die Oberstimme.

Ja, eigentlich würde man ein g in der Oberstimme erwarten, also die Dominante mit Sept [spielt auf der 1. Zählzeit des Takt 24 einen Dominantseptakkord].

Die Aufmerksamkeit wird auf die Oberstimme und die Note gis gelenkt. Das ist melodisch zu hören.

Früher habe ich diese Akkordtöne immer zusammen gespielt, heute: [spielt die unteren 3 Noten der 1. Zählzeit des Takt 24 und dann das gis alleine]. Es ist nebenbei auch sehr schwierig, die beiden Quinten gleichzeitig zu greifen. Aber alle 4 Töne zusammen zu spielen halte ich nicht für notwendig, im Gegenteil, ich finde diese Spielweise besser.

Takt 17ff

In der Passage ab Takt 17 hat Bach nun einige Bindebögen notiert. Es sind immer Zweierbindebögen (Bindebögen über 2 Noten).

Hier, in der 1. Zählzeit des Takt 19, keinen Bindebogen. Dann wieder Zweierbindebögen und am Ende von Takt 20 keinen, weil Bach die Septim der Dominante herausstellen will.

Alle Urtextausgaben “korrigieren” das natürlich und schreiben in Takt 19 auch einen Zweierbindebogen in der 1. Zählzeit mit einer Repetition des Doppelgriffs in der 2. Zählzeit.

Das ist eindeutig in der Abschrift anders. Es ist auch klar, warum, weil die Betonungen sich verlagern.

Also, im Takt 17, ist die Subdominante der 2. Zählzeit betont. Infolge der regelmäßigen Zweierbindebögen wird das cis der Dominante des nächsten Takts betont.

Ich spiele aus bogentechnischen Gründen den 2. Bindebogen in Takt 17 nicht, damit ich auf dem cis in Takt 18 im Abstrich bin. Aber die Betonungen der notierten Bindebögen behalte ich sinngemäß bei.

Deswegen muß ich zum Ausgleich auch den letzten Bindebogen des Takt 18 weglassen, aber trotzdem betone ich nicht das hohe a.

In Takt 19 ist in der 1. Zählzeit kein Bindebogen, d. h. wir haben hier eine Unterbrechung der regelmäßigen Abfolge von Bindebögen, es beginnt wieder neu.

Wir haben stattdessen einen Haltebogen, an den sich ein Bindebogen anschließt. Das bedeutet einen noch stärkeren Akzent auf der Note d der 3. Zählzeit. Es ist die Tonika.

Die 1. Zählzeit des Takt 20 ist unbetont. Das g der 2. Zählzeit ist wieder betont. Ob das die Subdominante ist, bleibt fraglich, denn es geht weiter zur Sept g der Dominante.

In Takt 21 gibt es nur einen Bindebogen, der die Tonika der 2. Zählzeit betont: [spielt weiter] Das klingt dominantisch, das subdominantisch.

Der Akkord der 1. Zählzeit des Takt 22 ist eindeutig die Subdominante [spielt weiter], … dominantisch, subdominantisch und dann eindeutig die Dominante am Taktende. Hier ist die Harmonie klar und die folgenden beiden Takte haben wir bereits besprochen.