{"id":69,"date":"2013-10-09T17:04:46","date_gmt":"2013-10-09T15:04:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/?p=69"},"modified":"2024-03-28T12:09:57","modified_gmt":"2024-03-28T10:09:57","slug":"walter-zimmermann-und-michael-bach-im-gesprach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/walter-zimmermann-und-michael-bach-im-gesprach\/","title":{"rendered":"Walter Zimmermann und Michael Bach im Gespr\u00e4ch \u00fcber &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221;"},"content":{"rendered":"<div>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-75\" alt=\"11\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/11.jpg\" width=\"720\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/11.jpg 720w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/11-300x240.jpg 300w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/11-624x499.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><br \/>\n<span style=\"font-size: x-small;\">Still aus Video, Kamera: Renate Hoffleit<\/span><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/08\/Germany.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-40\" alt=\"Germany\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/08\/Germany.jpg\" width=\"38\" height=\"24\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Komposition Walter Zimmermanns &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221; f\u00fcr Violoncello mit Rundbogen und Klavier (1987-89) fand am 19. September 2013 in Berlin\u00a0statt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>audio:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/youtu.be\/Dz6-5tgNyKg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Schlu\u00df aus &#8220;Tyche&#8221; von &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221;<\/a><\/p>\n<p>Michael Bach, Cello mit Rundbogen<br \/>\nHermann Kretzschmar, Piano<\/p>\n<p>Dauer: 1&#8217;51&#8221;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Michael Bach (<strong>MB<\/strong>):\u00a0Herr Professor Zimmermann &#8230;\u00a0[lacht]<\/p>\n<p>Walter Zimmermann (<strong>WZ<\/strong>): Den lassen wir mal weg, ja? [schmunzelt]<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Mich interessiert zun\u00e4chst einmal\u00a0das Davor und Danach bei dem St\u00fcck &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221;. Es ist doch sehr ungew\u00f6hnlich, da\u00df du ein St\u00fcck konzipiert hattest &#8211; ich wei\u00df nicht, wie weit es schon fertig war, als wir uns kennenlernten, &#8211; das mehrstimmig am Cello ist. Ich erinnere mich \u2026\u00a0jetzt gerade, als ich die Partitur gesucht habe, [nimmt Deckblatt von Partitur] sehe ich hier: &#8220;Frankfurt, Februar 1989&#8221;. D. h. unser erstes Treffen fand tats\u00e4chlich im Februar &#8217;89 statt.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ich h\u00e4tte es aus der Erinnerung heraus ein bischen sp\u00e4ter datiert. Weil, ich war im M\u00e4rz in den USA und kann mich nicht daran entsinnen, da\u00df ich irgendwie den Rundbogen\u00a0 schon im Kopf hatte.\u00a0Wir kannten uns von K\u00f6ln her, du lebtest in Frankfurt.\u00a0Ich hab&#8217; dich damals kontaktiert, weil ich diesen mittleren Satz &#8220;Sala della\u00a0Pazienzia&#8221; geh\u00f6rt hatte, im WDR [Westdeutscher Rundfunk K\u00f6ln]. Von den anderen S\u00e4tzen wu\u00dfte\u00a0ich noch gar nichts. Die sind ja auch alle nicht gleichzeitig entstanden. Der letzte Satz ist zwei Jahre sp\u00e4ter.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: 1989.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: So, wie kam es eigentlich dazu, da\u00df du ein St\u00fcck f\u00fcr Cello, das polyphon ist, \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Du meinst mit polyphon &#8230; an vier Saiten zugleich zu spielen ist?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ich war &#8217;86 in der Villa Massimo\u00a0in Rom und hab&#8217; ich mich mit diesen Themen der Hyroglyphen aus der Renaissance befa\u00dft, weil dort die Steine und Friese in H\u00fclle und F\u00fclle da sind. Das wurde aufgearbeitet von einem Kunstgeschichtler, Edgar Wind, in diesem Buch &#8220;Heidnische Mysterien in der Renaissance&#8221;. Ich brauchte dieses Prinzip der vier Saiten aus dem \u00dcbersetzen eines philosophischen oder k\u00fcnstlerischen Gedankens in Klang. Am deutlichsten war es in der &#8220;Tyche&#8221;, dem dritten Satz, der zwar 1989 geschrieben wurde, aber schon vorher konzipiert war.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Also Tyche hei\u00dft: das zuf\u00e4llige Schicksal \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Schicksal, die F\u00fcgung &#8211; und das Prinzip ist, da\u00df Akkorde, die mit vier Fingern auf vier Saiten zu greifen sind, gleichzeitig gespielt werden m\u00fcssen, und die Flageoletts sich jeweils so bewegen, wie das Pendel eines Zufalls entweder auf die eine Seite oder andere Seite ausschl\u00e4gt.\u00a0<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Du meinst, dadurch da\u00df es notwendig ist, die Finger, die T\u00f6ne einmal fest zu dr\u00fccken, als normal erklingende T\u00f6ne und dann l\u00e4\u00dft man Finger los \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: langsam hoch \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u2026 und dieser \u00dcbergang ist unkontrollierbar \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Also, aus deiner Sicht. Er ist, wenn es vierstimmig ist, auch weniger kontrollierbar, \u2026 das ist richtig.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Tyche-Ausschnitt-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-71\" alt=\"WaZi Tyche Ausschnitt -\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Tyche-Ausschnitt-.jpg\" width=\"800\" height=\"291\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Tyche-Ausschnitt-.jpg 800w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Tyche-Ausschnitt--300x109.jpg 300w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Tyche-Ausschnitt--624x226.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Es gibt dann immer [bl\u00e4ttert in Partitur] solche Pfeile von einer Spielweise zur anderen oder [deutet auf eine Stelle in der Partitur] diese Halbflageoletts. Die sind ja sowieso br\u00fcchig, die gehen manchmal \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ins Flageolett und manchmal als festgegriffener Ton \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Genau das ist das Prinzip. Das kann man bei dieser Geschwindigkeit [demonstriert Bogenbewegung] nicht mehr kontrollieren, da\u00df es bei jedem Ab- oder Aufstrich so oder so ist. Das flippt dann in die eine oder andere Richtung.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das hattest du also schon konzipiert, aber du hattest ja keinen Rundbogen, oder irgendeine M\u00f6glichkeit, das so aufzuf\u00fchren?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>:\u00a0Es gab ja Frances-Marie Uitti mit den Doppelb\u00f6gen [zwei traditionelle B\u00f6gen]. Und sie hatte mir &#8211; ich wei\u00df nicht, wo ich sie kennengelernt hatte, es kann sein mit Scelsi zusammen in Rom, &#8211; mal einen Katalog gegeben, von Akkorden, die eben m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Mit zwei B\u00f6gen.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Und ich hatte noch gar nicht daran gedacht, wie das St\u00fcck jetzt aufgef\u00fchrt wird. Ich wu\u00dfte aber, da\u00df es Rundb\u00f6gen in der Barockmusik gibt. Es gab ja auch Versuche, Bach-Partiten mit Rundbogen zu spielen.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Hast du das damals schon gewu\u00dft?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ich nicht.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Nein.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja, wie hie\u00dfen denn diese Geiger?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Inwischen wei\u00df ich das nat\u00fcrlich: Rolph Schr\u00f6der, dann Otto B\u00fcchner und, der Bekannteste vielleicht, Emil Telm\u00e1nyi. Und heute ist es Rudolf G\u00e4hler, der ja auch Aufnahmen gemacht hat, es sind eigentlich die besten.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>:\u00a0Dazu kommt noch folgendes, da\u00df die Barockgeigen einen viel flacheren Steg hatten und einen Bogen, der eine viel h\u00f6here Kurve der Bogenstange hatte. Und die Haare waren auch nicht so extrem gespannt, die Saiten waren Darmsaiten \u2026 Also, alles war beweglicher. D. h. man konnte theoretisch sowieso auf vier Saiten spielen.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Aber, das stellst du dir so vor.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Nein, nein, es ist so.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja aber &#8230; sprich \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Z. B. die Geige von Nanne [Nanne Meyer] haben wir jetzt der Alten Musik geliehen. Die wurde komplett umgebaut, mit einem flacheren Steg,, und derart sind Akkorde eher m\u00f6glich &#8211; bei den Bach-Partiten sowieso.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Aber, spreche einmal mit einem Barockmusiker oder mit jemanden, der authentische Auff\u00fchrungspraxis betreibt, da wirst du nicht unbedingt das h\u00f6ren, was du gerade gesagt hast. Diese arpeggieren die Akkorde \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Klar. Das Arpeggieren ist ja auch nicht nur ein praktisches Moment, es ist auch ein interpretatorisches Moment.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Also wie man beim Cembalo mehr Rubato spielt als am Klavier, weil das Cembalo einfach keine Beweglichkeit in der Dynamik hat. So versucht man, viel mehr den Klang aufzul\u00f6sen \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: OK, ich w\u00fcrde jetzt sagen, wir lassen dieses Thema jetzt mal beiseite.<\/p>\n<p>Du hast also gewu\u00dft, da\u00df es Geiger gibt, die Rundb\u00f6gen benutzen, und du hast von Uitti gewu\u00dft, die zwei B\u00f6gen benutzt \u2026 jetzt, hast du mit Uitti gesprochen, ob sie dein St\u00fcck auff\u00fchrt?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u00c4h, ich glaube nicht [denkt nach], nein, nein, das habe ich nicht.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, hm \u2026 Es hat ja ein Cellist schon einmal\u00a0den mittleren Satz gespielt \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Der mittlere Satz, ist ja nicht n\u00f6tig \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u2026 ist kein Rundbogen n\u00f6tig, aber kam die Diskussion dann nicht auf &#8211; ich glaube, es war Manuel Gerstner, der das spielte, &#8211; die anderen beiden S\u00e4tze auch aufzuf\u00fchren?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u00c4h, ich kann mich, ehrlich gesagt, nicht genau erinnern, ich wei\u00df nur, da\u00df in diesem ersten Satz &#8220;Hypneros&#8221; die Saiten so verstimmt sind, \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Scordatur \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026 da\u00df der gleiche Ton oder die Schattierungen immer ein B sind.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u2026 da\u00df man auf allen Saiten ein B bekommt. Oder, nein: ein H!<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Und zugleich gibt es vibrato und non vibrato. Dann spielt man am Anfang auf zwei Saiten, dann auf drei und am Schlu\u00df auf vieren. Das war ein utopisches St\u00fcck, weil die Dauern sich so \u00fcberlappen, da\u00df man das gar nicht machen kann. Die Ann\u00e4herung an die Partitur w\u00e4re mir schon genug gewesen. Ja? Also, da\u00df man versucht, auf vier Saiten zu spielen, oder einen Punkt zu finden, der mehr sul tasto ist \u2026<\/p>\n<p>Ich hab&#8217; jetzt z. B. in einem Solost\u00fcck f\u00fcr Geige, Dreikl\u00e4nge notiert, wo die mittlere Saite gedr\u00fcckt wird, die anderen sind leere Saiten, so da\u00df die Ebene der drei Saiten gerade ist. Dann kann man auf dreien schon spielen, sogar ganz leise, nat\u00fcrlich extrem sul tasto.<\/p>\n<p>Das hat mich immer interessiert, die Br\u00fcchigkeit von einem Klang, wenn man weggeht von der richtigen, wohlklingenden Position sondern mehr in das Griffbrettfeld reinstreicht. Und so dachte ich urspr\u00fcnglich, da\u00df das hier auch geht.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Hypneros-Ausschnitt-.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-73\" alt=\"WaZi Hypneros Ausschnitt -\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Hypneros-Ausschnitt-.jpg\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Hypneros-Ausschnitt-.jpg 800w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Hypneros-Ausschnitt--300x173.jpg 300w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Hypneros-Ausschnitt--624x360.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das ist ja hier jetzt ganz schwierig, weil diese vier Stimmen oder drei Stimmen &#8211; oder auch die Zweistimmigkeit &#8211; ja rhythmisch polyphon ist.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja ja, klar.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Mit dem Rundbogen, das ist ja klar, kann man eigentlich nur einen Strich ausf\u00fchren und da sind immer alle Stimmen gleich artikuliert.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ich wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Aber hier ist es tats\u00e4chlich so, als ob vier\u00a0B\u00f6gen spielen. Und das ist das Problem bei diesem St\u00fcck. Ich hab&#8217; da einen Zettel gefunden, ich glaube, der hat damit zu tun. [legt ein Notizblatt Walter Zimmermanns auf den Tisch]<\/p>\n<p>Das mu\u00df ganz am Anfang gewesen sein. Kannst du mir das mal vorlesen?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Kannst du meine Schrift nicht lesen?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u00c4h, nein. Also &#8220;Bei \u2026&#8221;, was hei\u00dft das?<\/p>\n<p>\u00a0<a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Spielanweisungen-1989.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-70\" alt=\"WaZi Spielanweisungen 1989\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Spielanweisungen-1989.jpg\" width=\"800\" height=\"946\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Spielanweisungen-1989.jpg 800w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Spielanweisungen-1989-253x300.jpg 253w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/WaZi-Spielanweisungen-1989-624x737.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: [liest vor] &#8220;Bei \u00dcberlagerung zweier oder mehrerer Stimmen bzw. Spielarten kurz l\u00fcften, um Rhythmik zu projizieren oder durch Vibratoakzente.&#8221;<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das war Punkt 1. Punkt 2?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ich mu\u00df es zuerst mal verstehen, was ich da geschrieben habe.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja. [lacht]<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>:\u00a0 [liest nochmals vor] &#8220;Bei \u00dcberlagerung zweier oder mehrerer Stimmen bzw. Spielarten kurz l\u00fcften \u2026&#8221; &#8211; was soll man da denn l\u00fcften?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Du meinst wahrscheinlich \u2026 die Haare von der Saite l\u00fcften, um Rhythmus \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026 &#8220;um Rhythmik zu projizieren oder durch \u2026&#8221; Ja, l\u00fcften hei\u00dft nat\u00fcrlich, klar, ich meine, da\u00df du dann kurz weggehst von dem Ton, damit das Profil dieser Dauer klar wird.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Aber den anderen Ton noch halten, wenn es zweistimmig ist \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026 da\u00df man sozusagen durch die Bewegung des Bogens die Dauer des jeweiligen Tons markiert. Also nicht durch den Strich [demonstriert einen Bogenwechsel], sondern durch das Heben \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Durch eine Z\u00e4sur sozusagen \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026kurz nach oben und wieder zur\u00fcck, eine Z\u00e4sur, ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Gut, das geht bei zwei Stimmen \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Nagel mich nicht fest [lacht], ich hab&#8217; ja auch gesagt, da\u00df das St\u00fcck eine Ann\u00e4herung, ein utopisches \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, ich wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: [liest Punkt 2] &#8220;Balken ist Phrasierung auf einen Bogen&#8221; &#8211; Ja, es ist so notiert, da\u00df Phrasierungen durch die Unterbalken gew\u00e4hrleistet sind &#8211; und nicht durch einen Phrasierungsbogen.\u00a0<\/p>\n<p>[liest weiter] &#8220;Isolierte Einzelnoten: ganzer Bogen&#8221; &#8211; Ja, das ist so meine beliebte Flautando \u2026, da\u00df bei Einzelt\u00f6nen immer der ganze Bogen sehr leicht gef\u00fchrt werden soll [demonstriert Bewegung], &#8220;gleich welcher Dauer&#8221;.<\/p>\n<p>&#8220;Bei \u00dcberspringen der Saite, die mittlere Seite ganz dr\u00fccken&#8221; \u2026 [denkt nach]<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ach so, damit die Saite nicht klingt.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Damit die benachbarten Saiten \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u2026 angestrichen werden und die mittlere Saite nicht.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja. F\u00fcnfter Punkt [versucht zu entziffern]: &#8220;Bei Dreistimmigkeit, wichtige &#8211; Einschub, Dauer kann verk\u00fcrzt werden&#8221; &#8211; Einschwingdauer! &#8211; also, &#8220;Bei Dreistimmigkeit wichtig &#8211; Ein &#8211; schwing &#8211; vorgang! &#8211; Dauer kann verk\u00fcrzt werden&#8221;. D. h. nat\u00fcrlich, da\u00df bei Dreistimmigkeit diese utopische Notation zu relativieren ist, wenn es nicht geht. Also, es ist wie der Versuch, z. B. Bach Kunst der Fuge, die f\u00fcr Orgel ist, am Klavier zu spielen, geht auch nicht. Man mu\u00df irgendwelche Kompromisse machen. Es ist eine \u00e4hnliche Idealpartitur, die in Ann\u00e4herung eines Spielers erreicht wird \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: In dem Punkt meinst du, also wie ich das verstehe, da\u00df die Dauer des Tons verk\u00fcrzt wird, aber der Ansatz soll nat\u00fcrlich m\u00f6glichst so sein, wie er notiert ist, auf der richtigen Zeit.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Um dreistimmig zu spielen, kann diese Idealdauer der einzelnen Stimmen verk\u00fcrzt werden.\u00a0D. h., du mu\u00dft nicht am Notentext kleben.<\/p>\n<p>[liest weiter, Punkt 6] &#8220;Alle drei bzw. vier Saiten auf eine Ebene bringen, Schwingungsknoten der G-Saite beachten&#8221; \u2026 Ja, das ist durch die Stimmung, \u2026 da\u00df die G-Saite, also die dritte Saite im Flageolett ist \u2026 schon eigentlich ein wenig gedr\u00fcckt, die Saite, minimalst, d. h. diese Kurve von vier Saiten ist schon etwas abgeflacht. [deutet auf eine Stelle in der Partitur]\u00a0Durch die Flageoletts, leichtes Dr\u00fccken, ergibt sich schon eine flachere Kurve, d. h. es wird noch einfacher sein, das zu spielen, so dachte ich mir das.<\/p>\n<p>[liest weiter] &#8220;Siebtens: Pr\u00e4ferenz Vibrato oder, und &#8211; Repetition &#8211; vor Dreistimmig \u2026&#8221;\u00a0 [stutzt] &#8211; ah ja! Vibrato ist wichtiger &#8211; als &#8211; also, Vibrato ist ja hier, die durchgestrichenen Notenk\u00f6pfe sind non vibrato und die anderen sind vibrato. Damit wollte ich erreichen, da\u00df dieses Innenleben eines einzelnen Tons m\u00f6glichst plastisch wird. Also wenn man vor einer Entscheidung steht, sollte man lieber das Vibrato bevorzugen, als jetzt \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: \u2026den Rhythmus.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026\u00a0 &#8220;vor Dreistimmigkeit&#8221; &#8211; Ja! Da\u00df das Vibrato wichtiger ist, als die Dreistimmigkeit.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ah.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Also, wenn es nicht m\u00f6glich ist, alle drei Noten zu spielen, weil der eine hat non vibrato, es wichtiger ist, vibrato zu haben und auf das andere, die Dreistimmigkeit, zu verzichten.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Weil das mehr die Aufmerksamkeit beansprucht. Es ist ja sowieso immer, in deiner Vorstellung, der gleiche Ton auf allen vier Saiten.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Genau. Und deshalb wollte ich sie ein bischen f\u00e4rben.<\/p>\n<p>[liest weiter, Punkt 8]: &#8220;Bei Vierstimmigkeit geringsten Strukturverlust beachten&#8221;. Ist ja klar, man mu\u00df Kompromisse eingehen, aber man macht sie so gering wie m\u00f6glich.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja ja ja.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Wann habe ich dir das denn geschrieben? Das erinnere ich \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das mu\u00df ganz am Anfang gewesen sein.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: [liest weiter, Punkt 9] &#8220;Auf Seite 6, letztes System, virtuelle Mehrstimmigkeit&#8221;. Also, k\u00f6nnen wir gleich mal gucken, was das bedeutet [bl\u00e4ttert in Partitur]: Ab hier. Es ist ja nun absurd schwierig, diese ganzen Einschwingungsvorg\u00e4nge alle genau zu spielen, d. h. es ist wichtiger, die Wechsel der T\u00f6ne in den verschiedenen Farben auf den Saiten zu h\u00f6ren, als diese Dauern genau zu halten. Die Dauern sind sozusagen idealiter und die T\u00f6ne sind real zu kriegen. Die haben wiederum Pr\u00e4ferenz.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: [deutet auf Stelle in Partitur] Wobei wir hier noch Dreistimmigkeit haben \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026 und dann wird es ab hier vierstimmig, ab Seite 6.<\/p>\n<p>[liest weiter] &#8220;Zehn: Ab dem Wiederholungszeichen \u2026 Stelle \u2026 Bogenwechsel \u2026&#8221; Da gibt es ein Wiederholungszeichen \u2026 [sucht in Partitur] \u2026 das hier [deutet auf\u00a0Stelle] \u2026 &#8220;Bogenwechsel stets&#8221; \u2026 [hebt Notizblatt hoch und schaut auf R\u00fcckseite] \u2026 buff, weg isses &#8230;<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: [lacht] Mehr habe ich nicht. Open end.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Das mu\u00df ich dir ja geschrieben haben zu einem Zeitpunkt, wo ich schon wu\u00dfte, da\u00df du das spielen wirst.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, du hast mir das als Anleitung mal mitgegeben.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Weil das f\u00fcr den Rundbogen genauso gilt, denn auch f\u00fcr den Rundbogen sind diese rhythmischen inneren Stimmen nicht zu machen.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, mal langsam. Mit einem geraden Bogen ist das sowieso nicht ausf\u00fchrbar.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja ja, das ist noch utopischer, sagen wir mal.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Du kannst noch nicht mal drei Saiten spielen.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: [bl\u00e4ttert in Partitur]\u00a0In manchen F\u00e4llen schon, \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ganz selten, ganz selten.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: \u2026 wenn gewisse Saiten leicht gedr\u00fcckt sind und wenn man dann mehr sul tasto spielt \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Jahah [schaut skeptisch] \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Also, das war\u00a0meine Vorstellung. Ich hab&#8217; damals immer Unm\u00f6gliches gewollt. Ich wollte immer Grenzen \u00fcberschreiten. Nanne [Nanne Meyer] hatte daf\u00fcr Begriffe wie introvertierte Virtuosit\u00e4t, also nicht eine Virtuosit\u00e4t, die nach au\u00dfen brilliert sondern wo die Virtuosit\u00e4t im Inneren des Klanggewebes stattfindet.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das wird dich vielleicht interessieren: Ich habe mit Cage zusammen &#8220;ONE13&#8221; komponiert. Kennst du das St\u00fcck?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>; Ja ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das St\u00fcck basiert auf Unisono-Kl\u00e4ngen, und das Absurde ist, ich habe zwar den Rundbogen, aber eigentlich ist immer nur eine Tonh\u00f6he zu h\u00f6ren, selbst wenn sie auf vier Saiten gespielt wird. Da gibt es z. B. bei der Tonh\u00f6he g&#8221; 101 Griffm\u00f6glichkeiten am Cello.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja, ich wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: OK Walter, kommen wir nochmal zur\u00fcck. Du hattest eigentlich, als wir uns trafen, noch keine Vorstellung, wie das aufgef\u00fchrt wird und wer das macht?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ich wu\u00dfte wohl von irgendwelchen Leuten, da\u00df du einen Rundbogen hast, oder wie war das?\u00a0<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: [lacht] Nein, ich bin dann auf die Suche gegangen.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ah, ja ja.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-180\" alt=\"05  BB 1990 -\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1-1024x332.jpg\" width=\"625\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1-1024x332.jpg 1024w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1-300x97.jpg 300w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1-624x202.jpg 624w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/12\/05-BB-1990-1.jpg 1387w\" sizes=\"auto, (max-width: 625px) 100vw, 625px\" \/><\/a><br \/>\n<span style=\"font-size: x-small;\">BACH.Bogen 1990<\/span><\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ich dachte, so wie du, da\u00df es diese Dinger g\u00e4be, und war dann bass erstaunt, da\u00df dann doch keine existierten. Ich habe danach sehr intensiv gesucht, na ja, gut. Ich hab&#8217; sodann nach Bogenbauern gesucht, das war auch schierig &#8211; und hab&#8217; dann doch per Zufall einen Rundbogen an der Wand h\u00e4ngen sehen, beim Geigenbauer Elbin. Ich spielte damit beim Huddersfield Festival ein paar kurze Cage-St\u00fccke, Ende November 1989. Dann habe ich den ersten Rundbogen in Auftrag gegeben, im Januar 1990, f\u00fcr dein St\u00fcck. Das war schon programmiert f\u00fcr Mai 1990 in Bremen bei dem Festival Pro Musica Nova. Und so hat Solf Sch\u00e4fer [Festivalleiter] 1000 DM noch dazugegeben. Das Teil war ziemlich teuer,\u00a0es hat 3600 DM gekostet. Das war deshalb viel Geld, weil ich diesen Bogen nicht lange spielte. Du erinnerst dich an die Urauff\u00fchrung? Ich hab&#8217; da einen Lederhandschuh getragen.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja ja, jetzt kommt \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Dem Publikum hat dieses Martyrium\u00a0so wahnsinnig gefallen, da\u00df wir den letzten Satz &#8220;Tyche&#8221; noch als Zugabe wiederholen mu\u00dften [beide lachen]. \u2026<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Hast du das gesamte St\u00fcck gespielt?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das ganze St\u00fcck.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Mit Hermann Kretschmar am Klavier?<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, immer mit Hermann [eine Auff\u00fchrung auch mit Klaus Steffes-Holl\u00e4nder].\u00a0Also, was ganz besonders schwierig war: der zweite Satz.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja, ich wei\u00df.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das pizzicato mit den gestrichenen T\u00f6nen, und das Zusammenspiel mit dem Klavier, das ist ungeheuer schwierig. Du siehst [\u00f6ffnet Partitur], ich hab&#8217; die Partitur &#8211; das ist meine Schrift &#8211; verdeutlichend umgeschrieben.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Dieser Satz wurde aber inzwischen einige Male gespielt, aber die Ecks\u00e4tze sind verwaist. Anton Lukoszevieze hat es einmal versucht, aber er hat es dann doch nicht gemacht. Ihm hab&#8217; ich sogar ein bischen Geld gegeben f\u00fcr die Anschaffung eines Rundbogens.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ach ja?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Das nennt sich heute crowdfunding. Jeder gibt 100 Euro. Du hast mir einen Tip gegeben, bei wem man das bestellen kann.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Er hat einen sehr guten Bogen. Hast du nicht einmal einen Bogen finanziert f\u00fcr einen Kanadier? Oder gekauft?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>; [denkt nach] Nee, das war Lukoszevieze, Anton. Und der hat&#8217;s aber dann nicht gespielt.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Und warum nicht? Weil es zu schwierig ist?<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Keine Ahnung, vielleicht weil er\u00a0das St\u00fcck nicht unterbrachte.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Also, mit Hermann habe ich es oft gespielt.\u00a0Das ist halt ein sehr, sehr schwieriges St\u00fcck \u2026 es nur einmal zu spielen, daf\u00fcr ist es schon ein sehr gro\u00dfer Aufwand.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>:\u00a0Ich wei\u00df. Es gibt ja jetzt, Gott sei Dank, die CD, worauf es dokumentiert ist.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>:\u00a0Das ist die erste Aufnahme, die wir gemacht haben. Mit diesem ersten Rundbogen noch, den ich wirklich nicht lange gespielt habe. Ich hab&#8217; dann gleich schon im n\u00e4chsten Jahr zwei andere B\u00f6gen mir bauen lassen, die aber im Prinzip genauso konstruiert sind, nur eben einen mit flacher W\u00f6lbung und einen mit hoher W\u00f6lbung. Weil, \u2026 na ja,\u00a0ich wollte da einfach eine Verbesserung haben.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Also, man kann sagen, da\u00df dieses St\u00fcck dich zu dem Punkt gebracht hat, dir einen Rundbogen zu suchen, dann hattest du ihn, und dann hast du Cage motiviert, ein St\u00fcck f\u00fcr dich zu schreiben.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ich hab&#8217; mich dann mit Cage in Darmstadt 1990, da waren wir beide dort, getroffen &#8211; es war damals schon klar, da\u00df er ein Konzert f\u00fcr Cello und Orchester schreibt &#8211; und\u00a0ihm den Rundbogen gezeigt.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Dann ist es ein sch\u00f6nes Gef\u00fchl f\u00fcr mich, dem Cage auch mal &#8216;ne Vorlage gegeben zu haben [lacht] \u2026 wie man im Fu\u00dfball sagt.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, ja \u2026 es ist so \u2026 also, dein St\u00fcck war der Anla\u00df und Cage war der erste Komponist, der dann direkt daf\u00fcr komponiert hat.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Und dann Schnebel \u2026 und dann ging&#8217;s so los.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, dann hat Zender daf\u00fcr geschrieben, ohne meine Beteiligung.\u00a0Ich hab&#8217; allerdings einen Kurs f\u00fcr ihn gemacht, in Frankfurt, \u2026 und da hat er sich das alles angeschaut \u2026 OK.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Doch sch\u00f6ne Geschichte \u2026<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Ja, das Erstaunliche ist eben \u2026 Schnebel hatte auch schon f\u00fcr den Rundbogen komponiert! 1987, die Inventionen. Das wurde aber zun\u00e4chst nicht mit Rundbogen gespielt. Ich war eigentlich der erste, der es authentisch aufgef\u00fchrt hat.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Ja, so ist das.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Das ist halt bei diesen Werken, auch mit Morton Feldmans Untitled Composition, die sind so schwierig,\u00a0da\u00df man eigentlich kaum heute noch Auff\u00fchrungsm\u00f6glichkeiten hat.\u00a0Wenn das Solowerke sind, gut, dann dann kann man sowas schon eher mal programmieren.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>; Ja ja.<\/p>\n<p><strong>MB<\/strong>: Wenn es aber um Ensemblewerke geht, die diesen hohen Grad an Virtuosit\u00e4t ben\u00f6tigen \u2026 und anscheinend wurde dein St\u00fcck, au\u00dfer von Hermann und mir, bis auf den mittleren Satz nicht gespielt.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Der mittlere Satz wurde jetzt nochmals gespielt in den USA \u2026 aber das gesamte, kannst du stolz sagen, bist du der einzige, der es gemacht hat.<\/p>\n<p style=\"text-align: right;\"><a href=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-74\" alt=\"3\" src=\"http:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/3.jpg\" width=\"720\" height=\"576\" srcset=\"https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/3.jpg 720w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/3-300x240.jpg 300w, https:\/\/www.bach-bogen.de\/blog\/thecelloupgrade\/wp-content\/uploads\/sites\/3\/2013\/10\/3-624x499.jpg 624w\" sizes=\"auto, (max-width: 720px) 100vw, 720px\" \/><\/a><br \/>\n<span style=\"font-size: x-small;\">Still aus Video, Kamera: Renate Hoffleit<\/span><\/p>\n<p><strong><br \/>\nMB<\/strong>: Ja ja.<\/p>\n<p><strong>WZ<\/strong>: Geduld und Gelegenheit &#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Still aus Video, Kamera: Renate Hoffleit Das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Komposition Walter Zimmermanns &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221; f\u00fcr Violoncello mit Rundbogen und Klavier (1987-89) fand am 19. September 2013 in Berlin\u00a0statt. &nbsp; audio: Schlu\u00df aus &#8220;Tyche&#8221; von &#8220;Geduld und Gelegenheit&#8221; Michael Bach, Cello mit Rundbogen Hermann Kretzschmar, Piano Dauer: 1&#8217;51&#8221; &nbsp; Michael Bach (MB):\u00a0Herr Professor Zimmermann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-69","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v26.9 - https:\/\/yoast.com\/product\/yoast-seo-wordpress\/ -->\n<title>Walter Zimmermann und Michael Bach im Gespr\u00e4ch \u00fcber &quot;Geduld und Gelegenheit&quot; the cello upgrade<\/title>\n<meta name=\"description\" content=\"Still aus Video, Kamera: Renate Hoffleit Das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Komposition Walter Zimmermanns 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